World Oceans Day!

Das will uns der Ozean an seinem Tag sagen …

Heute ist World Ozeans Day. In New York findet diese Woche die ersten OceansConference statt. Dabei geht es um die Überfischen der Ozeane, den Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel und die Plastikverschmutzung der Weltmeere. Ich halte die Plastikverschmutzung für eines der zentralen und größten Umweltprobleme und bin sehr froh, dass es jetzt dazu auch eine Konferenz auf UN-Ebene gibt.

Laut Schätzungen landen pro Jahr bis zu 12,2 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen, der Großteil davon wird über die Flüsse ins Meer gespült. Im Jahr 2050 könnte die Masse an Plastik im Meer jene an Fisch übersteigen.
Wir tragen also auch in Österreich Verantwortung für die Plastikverschmutzung der Ozeane!

Dazu ein paar Fakten:

Die weltweite Plastikproduktion ist in den letzten 50 Jahren von 15 Millionen Tonnen (1964) auf 322 Millionen Tonnen (2015) gestiegen. In den nächsten 20 Jahren rechnen Experten mit einer weiteren Verdopplung der Produktionsmengen.

Pro Jahr landen weltweit laut Schätzungen bis zu 12,2 Millionen Tonnen Plastikmüll inklusive 950.000 Tonnen primäres Mikroplastik in den Ozeanen, der Großteil wird über Flüsse ins Meer gespült. 41 Tonnen Mikroplastik pro Jahr landen in der Donau. Textilien zählen in Europa mit etwa 30.000 Tonnen pro Jahr zu den größten Quellen der Mikroplastikverschmutzung.

Zum Vergleich: die jährliche Fisch-Fangmenge der USA und Japan betragen zusammen etwas mehr als 8 Millionen Tonnen. Die jährlich Masse an Fisch die von diesen beiden bedeutenden Fischereistaaten entnommen wird ist somit gleich groß wie die Masse an Plastikmüll, die jedes Jahr aufs Neue in die Ozeane gespült wird. Jedes Minute wird ein Müllwagen voll mit Plastik ins Meer gekippt. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, landen 2050 pro Minute vier (!) Müllwagen voll mit Plastik im Meer.

Nach den besten verfügbaren Zahlen schwimmt derzeit über 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Mehr Plastik als Fisch im Meer: im Jahr 2050 könnte die Masse an Plastik jene an Fisch übersteigen.

In Österreich kommen pro Jahr mehr als eine Million Tonnen Kunststoff zum Einsatz. Mit 39,9 Prozent haben Verpackungen den größten Anteil am Kunstoffverbrauch in Europa. Etwa 700 Millionen Plastiksackerl werden in Österreich jährlich verbraucht, mit einer Gebrauchsdauer von gerade einmal 25 Minuten.

Im Jahr 2008 sind laut Bundesabfallwirtschaftsplan (2011) 251.569 Tonnen Kunststoffverpackungen angefallen. Im Jahr 2014 waren es laut BMLFUW schon 291.968 Tonnen. In nur sechs Jahren sind die Plastik-Verpackungsabfälle somit um 40.399 Tonnen pro Jahr gestiegen. Das entspricht dem Gewicht von 1,346 Milliarden Plastikflaschen oder 2 Milliarden Plastiksackerl. Alleine die Zunahme des Plastik-Verpackungsmülls entspricht somit in etwa dem Dreifachen Gewicht aller in Österreich ausgegebener Plastiksackerl.

Von den 2014 angefallenen Plastikabfallmengen wurde in Österreich gerade einmal ein Drittel dem Recycling zugeführt. Zwei Drittel der Plastikverpackungen werden verbrannt. Weltweit werden nur 5 Prozent des Plastiks tatsächlich recycelt (also nicht nur „dem Recycling zugeführt“), 95 Prozent des Plastiks mit einem Wert von 80-120 Milliarden pro Jahr gehen dem Wirtschaftskreislauf für immer verloren.

Wir Grünen haben im letzten Jahr das Umweltbundesamt mit einer Studie zu Mikroplastik aus Kleidung beauftrag. Daraus geht hervor, dass in Österreich pro Jahr bis zu 21 Tonnen Mikroplastik beim Waschen von Kleidung ins Kanalnetz gespült wird, in den Kläranlagen – wenn überhaupt nur sehr kostspielig – ausgefiltert wird, Großteils aber in den Flüssen und im Meer landet.

Wir Grüne wollen:

  • ?Plastik als Schadstoff anerkennen: Das österreichische Umweltrecht sieht für die meisten Stoffe, die in das (Ab-)Wasser gelangen können, mehr oder weniger strenge Grenzwerte vor. Für Plastik gibt es allerdings überhaupt keine Grenzwerte und somit de facto keine Gesetz, dass die Einleitung von Plastik in Flüsse und Kanäle einschränkt. Ein Antrag der Grünen, einen entsprechenden Grenzwert zumindest für die kunststoffverarbeitende- und produzierende Industrie zu erarbeiten, wurde von den Regierungsparteien abgelehnt.
  • Filter bei Waschmaschinen: Wir brauchen dringend eine Filter-Technologie bei Waschmaschinen, um Mikropartikel und Fasern im Ablauf zurückzuhalten. Kunststoffteilchen sollten erst gar nicht in die Kanalisation bzw. die Kläranlage kommen. Hier müssen Politik und Medien Druck auf die Hersteller machen!
  • Aktionsplan: Der Umweltminister muss einen Aktionsplan gegen Mikroplastik entwickeln, um Wissenslücken zu schließen und wirksame Maßnahmen gegen die Mikroplastikverschmutzung zu setzen.
  • Mehr Bewusstsein: Abwasserverbände und Kläranlagenbetreiber müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Es gibt bereits eine Diskussion um die sogenannte 4. Reinigungsstufe bei Kläranlagen, bei der es vor allem um die Entfernung von Medikamentenrückständen, Hormonen und anderen Schadstoffen geht. Die Entfernung von Mikroplastikpartikel aller Größenordnungen sollte in diese Diskussion miteinbezogen werden.
  • Plastik vermeiden: Maßnahmen gegen unnötige Verpackungen, Plastiksackerl und Plastikflaschen.
    • Pfand- und Mehrwegsystem
    • Reduktion von Kunststoffverpackungen
    • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Reparaturbetriebe